von couch zu couch

Einmal durch Israel und das Westjordanland. Ohne festen Plan. Ohne Hotels. Aber mit Laptop und Smartphone. Denn damit finde ich meine Gastgeber. Unter www.couchsurfing.org. Hier könnt Ihr meiner Reise folgen. Oder Ihr kauft das Buch, das möglichst bald erscheinen soll.

Die heilige Stadt

Jerusalem, Damaskustor. ich sitze auf den Treppenstufen im Schatten, es stinkt nach Urin. Aus meinem Rucksack krame ich die inzwischen völlig verknitterte Schachtel Zigaretten, die ich seit dem Abend mit den Obdachlosen in Tel Aviv mit mir herumtrage. Ich fummle die letzte, krumme Zigarette hervor in zünde sie an. Ich bin angekommen. Wochenlang war diese Stadt mein Ziel. Nun bin ich hier und fühle mich leer und unendlich müde.
Ein Betrunkener in verdreckten Kleidern schlurft die Stufen hinab, gleitet aus und fällt wie in Zeitlupe. Ebenso langsam steht er wieder auf. Vor dem Tor spricht er einen Priester an. Unwillig kramt dieser ein paar Schekel aus der Tasche seines schwarzen Jackets und drückt sie dem Mann in die Hand. Ich schultere meinen Rucksack und mache mich auf den Weg zu meinen letzten Gastgebern.
Ein paar Stunden später beginnt der Sabbat, Sirenen kündigen seinen Beginn an. Die Juden feiern das an der Klagemauer und mir wurde erzählt, dass dort eine ganz besondere, heilige Stimmung herrsche. Als ich den Platz betrete, dämmert es. Gemeinsam mit mir strömen hunderte frisch gewaschener und herausgeputzter Menschen durch den Eingang. Die Mauer ist von gelben Strahlern erleuchtet, eine Israelflagge flattert im Abendwind. Darüber trohnt golden der Felsendom.
Vorne an den Steinen stehen die schwarz gekleideten Orthodoxen, wippen versunken in ihre Gebete vor und zurück. Dahinter tanzen, singen und brüllen andere Gläubige, die Gesichter verzerrt vor Ekstase und in dem Glauben, ihrem Gott hier und jetzt besonders nahe zu sein. Ich frage mich, ob dieser Gott das genauso sieht. Mir geht die Stelle im Alten Testament durch den Kopf, an der die die Israeliten um ein goldenes Kalb tanzen, während Moses auf dem Berg Sinai die zehn Gebote erhält.
Obwohl ich mich unter freiem Himmel befinde, habe ich das Gefühl, frische Luft zu brauchen. Ich dränge mich gegen den Strom der Gläubigen hinaus in die Gassen der Altstadt, die verlassen in der Dunkelheit liegen und lehne meinen Kopf gegen die von der Hitze des Tages noch warmen Steine.

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Posted in Allgemein | 1 Comment

One Response to Die heilige Stadt

  1. Simon says:

    Hey, ich bin mal so frech und schreibe was im Blog. Sieht super aus! Ich nutze seit kurzem auch WordPress kapiere aber noch nicht alles. Deine Seite ist mir da immer eine grosse Motivation. Weitermachen!

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