von couch zu couch

Einmal durch Israel und das Westjordanland. Ohne festen Plan. Ohne Hotels. Aber mit Laptop und Smartphone. Denn damit finde ich meine Gastgeber. Unter www.couchsurfing.org. Hier könnt Ihr meiner Reise folgen. Oder Ihr kauft das Buch, das möglichst bald erscheinen soll.

Arthur fängt einen Leoparden

Die Nacht ist hereingebrochen und Arthur hat die Fenster geschlossen gegen den kühlen Wind, der aus der Wüste in das Dorf bläst. Wir sitzen am Wohnzimmertisch, es brennt nur eine Lampe über uns, der Rest des Raumes verschwimmt in Dunkelheit. Mit beiden Händen hält Arthur eine Teetasse. Seine Unterarme liegen auf dem Holz. Er hat die Muskeln eines Mannes, der die meiste Zeit in der Natur unterwegs ist, unter seinen Fingernägeln sitzt der Schmutz der Arbeit.

Er beginnt zu erzählen. “In schlechten Jahren, wenn es wenig geregnet hat, kommen die Leoparden manchmal in die Dörfer. Dort jagen sie kleine Tiere, meist Katzen, manchmal Hunde. Meist bleiben sie nicht lange, ziehen von selber weiter oder die Bewohner vertreiben sie. Aber dieser eine, der kam vierzig Nächte lang wieder und wieder nach Sede Boker. Wir haben die Kinder nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr rausgelassen und jeden Abend Fenster und Türen verschlossen. Aber an diesem Tag war ich abends sehr müde. In der Nacht zuvor hatten wir im Nationalpark einen Wanderer gesucht, der verloren gegangen war. Er war zum Kacken hinter einen Felsen verschwunden und niemand in der Gruppe hatte darauf geachtet, dass er zurück kommt. So waren sie ohne ihn weiter gewandert. Am Tag hatte ich mit meinem Pferd einen Ausdauerritt unternommen, neunzig Kilometer durch die Wüste. Als ich dann zuhause war, schlief ich fast am Küchentisch ein, und als ich ins Bett ging, übersah ich die Türe zur Terrasse.

Gegen zwei Uhr morgens begann unser Hund wie blöd zu bellen, und ich wachte auf. Am Fuße unseres Bettes stand ein grauer Schatten. Der Leopard hatte unsere Katze gefangen und wollte gerade mit ihr das Zimmer verlassen. Ich habe in dem Moment überhaupt nicht nachgedacht, was ich da mache, und bin auf den Leopard gesprungen. Es war ein Männchen und die können bis zu sechzig Kilo schwer werden. Das Tier war so überrascht, dass es die Katze losließ und überhaupt nicht auf die Idee kam, sich zu wehren. Es stand völlig unter Schock. Ich packte sein Nackenfell so fest ich konnte und drückte mit meinen Beinen seine Hinterbeine auf den Boden, die sind am kräftigsten. Sofort waren meine Frau und meine Kinder wach. Ich rief meiner Frau zu, sie solle Jossi anrufen, das ist ein Kollege von der Parkbehörde, der hatte schon nächtelang versucht, den Leoparden zu erwischen. Aber Anat war so nervös, dass sie erst das Telefon nicht fand. Und allmählich überwand das Tier seinen Schock und begann, sich zu bewegen. Ich sah, wie es langsam die Krallen ausfuhr, zwei Zentimeter lang und sehr schmutzig. Damit hätte er mich übel verletzen können. Aber ich wusste, wenn ich jetzt loslasse, dann habe ich ein Problem. Also rangen wir auf dem Schlafzimmerfußboden miteinander. Ich redete dabei ruhig auf ihn ein, ganz automatisch sprach ich holländisch – in solchen Situationen fällt man wohl in seine Muttersprache. Komischerweise hatte ich überhaupt keine Angst und das hat der Leopard wohl gespürt, denn langsam wurde er ruhig. Die Krallen verschwanden und seine angstgeweiteten Augen wurden wieder kleiner. Dann kamen endlich die Kollegen von der Parkbehörde. Sie waren so aufgeregt, dass sie zwar ihre Frauen dabei hatten, aber kein Netz, keine Stöcke, kein Betäubungsmittel. Sie stürmten zu fünft ins Schlafzimmer und fast wäre mir der Leopard entwischt, denn er erschrak noch einmal fürchterlich. Bald schien er zu verstehen, dass auch diese Menschen ihm nichts böses wollten. Wir hielten ihm eine Wolldecke hin und in die verbiss er sich, so dass wir ihn einwickeln konnten. Vor dem Haus stand eine große, leere Mülltonne, in die steckten wir ihn und brachten ihn zur Tierstation. Dort untersuchten sie ihn und fanden heraus, dass er an Muskelschwäche litt. Wahrscheinlich kam er deshalb ins Dorf, weil die Tiere in der Wüste zu stark und zu schnell für ihn waren und er sie nicht jagen konnte. Sie päppelten ihn so gut es ging auf und ließen ihn dann wieder frei. Wahrscheinlich lebt er heute nicht mehr. Ich habe seit damals keinen Leoparden mehr hier in der Gegend gesehen, wir Menschen haben sie alle vertrieben.”

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Posted in Allgemein | 3 Comments

3 Responses to Arthur fängt einen Leoparden

  1. Vincent says:

    Interessanter Artikel! Ich werde da noch mal genauer recherchieren!

  2. Da ich das meiste ueber Facebook mache, meine kurze Frage: Ist die Seite bei Facebook?

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