von couch zu couch

Einmal durch Israel und das Westjordanland. Ohne festen Plan. Ohne Hotels. Aber mit Laptop und Smartphone. Denn damit finde ich meine Gastgeber. Unter www.couchsurfing.org. Hier könnt Ihr meiner Reise folgen. Oder Ihr kauft das Buch, das möglichst bald erscheinen soll.

45 Sekunden

Ich bin erst seit ein paar Minuten in Noas Wohnung in Be’er Sheva, da erklärt sie mir, was im Ernstfall zu tun ist. “Wenn die Sirenen heulen, dann haben wir etwa 45 Sekunden bis die Rakete hier ist. Das reicht nicht, um zum Bunker zu laufen. Wir müssen deshalb so schnell wie möglich ins Bad. Das ist der sicherste Raum im Haus”, sagt sie.

Be’er Sheva liegt in Reichweite der Raketen, die im Gazastreifen abgefeuert werden. Jedes Mal wenn die Sirenen heulen, bricht Panik in der Stadt aus, die Menschen rennen zum nächsten Bunker oder irgendwo anders hin, wo sie sich Sicherheit versprechen. Manche wollen einfach nur nach Hause. Zum Glück gehen die Raketen ungezielt in der Stadt nieder, Todesopfer gibt es deshalb wenig. “Zum Glück können die Terroristen nicht genau zielen. Wenn sie das könnten, dann würden sie sicher das Krankenhaus beschießen”, sagt Noa.

Trotz der ständigen Bedrohung haben sich die Professoren an der Ben-Gurion-Universität in der Stadt ihre geistige Unabhängigkeit bewahrt. Sie wagten vor einiger Zeit, die israelische Regierung wegen ihres Verhaltens den Palästinensern gegenüber als “terroristisch” zu bezeichnen.

Noa kommt aus der Gegend von Haifa und wuchs dort ganz selbstverständlich mit Anschlägen auf, da die Grenze dort früher leicht zu überqueren war. Wie viele ist sie der Meinung, dass die Palästinenser dazu erzogen werden, Juden zu hassen. Sie wünscht sich natürlich Frieden und glaubt, dass die Palästinenser einen eigenen Staat brauchen. Dass das den Konflikt löst, glaubt sie allerdings nicht, da ist sie genauso ratlos wie alle anderen.

Ich beginne langsam zu verstehen, warum die Armee und das Bedürfnis nach Sicherheit so eine große Rolle spielen. Was muss es mit einem Kind machen, wenn es aufwächst wie Noa? Oder ihr Bruder, von dem sie folgende Geschichte erzählt: “Direkt nach einem Anschlag, bevor die Kamerateams der Fernsehsender vor Ort sind, blenden sie im Fernseher eine Karte von Israel ein, auf der der Ort des Anschlags zu sehen ist. Mein Bruder war noch ganz klein und verstand das alles nicht. Aber immer wenn er im Fernsehen eine Karte gesehen hat, wusste er, dass etwas Schlimmes passiert ist. Und zu der Zeit als er klein war, gab es dauernd Attentate.” Was macht das mit einem Kind?

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Posted in Allgemein | 1 Comment

One Response to 45 Sekunden

  1. Elmar says:

    Bin gerade eben das erste mal auf die Seite gekommen. Gefaellt mir sehr.

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